Zirka 1500 Asbesttote jährlich in Deutschland / ZDF-Umweltreihe „planet e.“ deckt skandalöse Versäumnisse auf



















Mainz (ots) – Auch 20 Jahre nach dem Verbot von Asbest in
Deutschland sterben jährlich noch immer zirka 1500 Menschen bei uns
an den Spätfolgen ihrer Arbeit mit Asbest. Nach Schätzungen der
Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gibt es bundesweit
rund 190 000 Asbesterkrankte. Die Tendenz ist sogar steigend. Das
berichtet die ZDF-Umweltdokumentationsreihe „planet e.“ am Sonntag,
7. April, 13.30 Uhr, in dem Film „Asbest – Fluch der Todesfasern“ von
Claus Schenk.

Trotz des Verbots wird Asbest vielfach nachgewiesen. Meist
unerkannt steckt es zum Beispiel in alten Bodenbelägen,
Fliesenklebern oder Fugenmassen. Öffentliche und private Gebäude sind
gleichermaßen betroffen. Maschinen, Transformatoren oder bestimmte
Materialien in Zügen können ebenfalls asbestverseucht sein. Auch
Leitungen der öffentlichen und privaten Wasserversorgung können
Asbest enthalten.

Von einer durchgreifenden Asbestsanierung kann nicht die Rede
sein. Mediziner rechnen deshalb in den kommenden Jahren mit einer
Zunahme der Erkrankungen, bedingt durch die lange Latenzzeit von rund
30 Jahren und durch neue Fälle. Asbestose, asbestbedingter Lungen-
und Kehlkopfkrebs sowie der gefürchtete Rippenfelltumor (Mesotheliom)
sind die Hauptfolgen der Arbeit mit Asbest. Doch nur ein Bruchteil
aller Asbestopfer wird als Berufskranke anerkannt. Den jahrelangen
Kampf durch die Instanzen deutscher Sozialgerichte überleben die
Schwerkranken meist nicht. Der emeritierte Arbeitsmediziner Professor
Hans Joachim Woitowitz erklärt gegenüber „planet e.“: „Es geht darum
beweisen zu müssen, was vor 30, 40 Jahren am Arbeitsplatz auf den
Todkranken eingewirkt hat. Welche Menge, welche Art, welche Dauer.
Das kann er oft nicht.“

Inzwischen rollt eine zweite Gebäudesanierungswelle. Häufig wurde
in der Vergangenheit nicht fachgerecht gearbeitet. Außerdem sind
viele Bauten aus den 60er und 70er Jahren jetzt am Sanierungspunkt
angekommen. Allein in Berlin gelten mindestens 53 000 Wohnungen
kommunaler Baugesellschaften als asbestbelastet. Dazu kommt eine
unbekannte Anzahl privater Haushalte. Sanierungsexperten gehen davon
aus, dass jedes Gebäude vor Baujahr 1990 unter Asbestverdacht steht.
Besonders heikel ist es, wenn Schulen, Kindergärten oder
Krankenhäuser betroffen sind. Da kaum eine Kommune die
milliardenschweren Sanierungen bezahlen kann, findet sich offiziell
häufig die Verlautbarung, dass alles „sicher und ungefährlich“ sei.

Das Europäische Parlament hat am 14. März 2013 in einer Resolution
die EU-Kommission dringend aufgefordert, verbindliche Standards für
eine sichere Asbestsanierung zu entwickeln, die gültig für alle
Mitgliedsländer ist. Zudem drängt das Parlament die EU dafür zu
sorgen, dass alle asbestbedingten Krankheiten als Berufskrankheiten
anerkannt werden.

http://twitter.com/ZDF

Fotos sind erhältlich über die ZDF-Pressestelle, Telefon: 06131 –
70-16100, und über http://bilderdienst.zdf.de/presse/planete

Originaltext:         ZDF
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/7840
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_7840.rss2

Pressekontakt:
ZDF-Pressestelle
Telefon: +49-6131-70-12121
Telefon: +49-6131-70-12120